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Rubrik »Hardware«
Yann Guidon: The F-CPU project Freedom for the devices : Philosophie, Dogma or Religion ?   (Projekt 28.4. 15:00 Raum A)
Abstract:
Applying the GPL/GNU principles to the microelectronics world is not straight-forward : new questions arise and new solutions must be found. How to protect the project and the members with the existing laws, against patents and squatters, how can we handle the slow increase of popularity and workload ? How can we avoid the parallel with the GNU "dogma" ? How will I manage to make the workshop last less than two hours ? :-)
Markus Merz: Das OSCar-Projekt Das Open-Source Car ... ein Auto bauen im Internet   (Projekt 29.4. 15:00 Raum B)
Abstract:
Es gibt ja immer noch Leute, die die Entdeckung des Internets für das Ei des Kolumbus halten. Dabei handelt es sich natürlich meistens um Hut- und Verantwortungsträger der Öffentlichen Hand. Aber gut. Wir, die wir mit dem Internet in den Kinderschuhen steckten, wissen es natürlich besser: Das World Wide Web ist keine gigantische Wundertüte, Surfen hat in diesem Fall nichts mit Wasser zu tun und das Internet ist nicht nur für die Großbanken interessant. Das Internet besteht nicht nur aus amazon, yahoo und .com's. Es ist das Kommunikationsmedium des 21. Jahrhunderts. Und es ist kreativ, schnell, frei. Kurz das Internet ist so, wie wir diese Welt gern haben würden. Das Internet ist für uns die Möglichkeit, unsere Ideen und Visionen zu verwirklichen und quer über den Globus Leute kennen zu lernen. Unsere Idee heißt OSCar. Wir wollen ein Auto im Internet entwickeln. Aber das ist ja bereits bekannt. (Hoffentlich! Und wenn nicht: Schnell zum Manifest klicken und weiser, klüger und erleuchtet zurückkommen.) Diese Seite erzählt die Geschichte, wie es dazu kam. Sie beschreibt nicht die intellektuelle, sondern die technische Entwicklung von OSCar. Diese Seite erzählt, wie unser Baby aus der Taufe gehoben wurde. Den Anfang machte Markus, der das fertige OSCar während einer Seminartrance plötzlich vor sich sah. Mit Begeisterung und Enthusiasmus überzeugte er in den folgenden Wochen hunderte seiner engsten Freunde von der Brillanz der Idee. Das fertige Manifest beseitigte auch noch den letzten Rest Zweifel aus dem Kreise seiner Treuen und dann ging nach Feierabend die große Schufterei los. Schließlich hieß es nun all die Neugierigen, Arbeitswütigen, Interessierten und Kritischen in aller Welt mit dem Projekt vertraut zu machen. In aller Eile bastelten wir die OSCar-Seiten zusammen und statteten diese mit einem provisorischen Forum aus. Schließlich wollten wir nicht das Risiko eingehen, irgendwelche Mitstreiter aus Abudabi durch unsere Langsamkeit zu verprellen. Am 1. Juni war es dann soweit: www.theoscarproject.org ging online. Die nächste Hürde auf dem Weg zum erfolgreichen OSCarprojekt lautete nun: Wie schreibe ich eine Pressemitteilung? Nach einigen Flüchen, zerissenen Blättern und Stoßgebeten hatten wir auch diese Herausforderung überwunden und die erste OSCar-Pressemitteilung herausgegeben. Was uns jetzt noch fehlte war ein Millionenpublikum und jede Menge Leute, die mit uns zusammen das OSCar bauen wollen. Und hier kam uns wie ein göttlicher Bote der Heiseticker zu Hilfe: Am 20. Juni berichtete der renommierte online-Verlag über unsere Initiative und verhalf uns so zu einem enormen Bekanntheitszuwachs. In den nächsten Tagen hagelte es hits und mails. Die meisten großen Zeitungen und Zeitschriften trugen sich auf unser Mailingliste ein und - schau an, schau an - auch die Automobilkonzerne bekundeten schüchternes Interesse.
Graham Seaman: Free hardware design - past, present, future   (Projekt 29.4. 17:00 Raum B)
Abstract:
Free software is only one of a number of free projects that have arisen in the past. These projects tend to follow the creation of new technologies. Whether they persist after the commercialization of the technology depends both on the nature of the technology and the people and organization behind that project. Previous free hardware design projects include the homebrew computer designs of the 70s and the university-based IC design systems of the 80s. The new free hardware designs have been made possible by the introduction of ever larger integrated circuits and programmable logic devices, which have also made it possible to create a market in IC designs independent from manufacture. To survive past the consolidation of this market, free hardware design has to overcome a number of practical challenges, including defining its links with manufacture, finding a viable licensing system, and clarifying its relationship with free software.

This presentation is given in english.
Rubrik »Oekonux«
Torsten Wöllert: Das Encyclopaedia Aperta Projekt Eine Freie Enzyklopädie   (Projekt 28.4. 13:00 Raum C)
Abstract:
In Anlehnung an die Prinzipien Freier Software wollen wir eine Freie Enzyklopädie bauen und unterhalten, deren Inhalt frei nutz-, kopier- und veränderbar ist. Es soll dabei eine wirklich internationale Enzyklopädie entstehen, deren Beiträge von den Projektteilnehmern jeweils in ihrer Muttersprache abgefasst werden. Es werden also Übersetzungen aus jeder in alle Sprachen möglich, sofern sich Freiwillige dafür finden - die verschiedenen Sprachversionen der Enzyklopädie werden also nicht deckungsgleich sein. Über die Aufnahme von Artikeln und ihre Platzierung in der Enzyklopädie entscheiden die Teilnehmer bei der Erarbeitung der jeweiligen Sprachversion, wodurch der kulturellen Vielfalt in der Welt Rechnung getragen wird.

Im Gegensatz zu traditionellen Enzyklopädien wird die reale Vielfalt von Auffassungen und Interpretationen durch nebeneinander stehende Definitionen des gleichen Begriffs repräsentiert. Im Vordergrund steht also nicht, möglichst objektiv und ausgewogen geschriebene Artikel zu sammeln, wobei solche Artikel natürlich sehr wertvoll sind, sondern ein möglichst breites Spektrum von Auffassungen zu repräsentieren und diese für die Wissensgewinnung nutzbar zu machen. Dies soll unter anderem durch die aktive Einbeziehung von globalen „Randgruppen", die zusammen genommen die Mehrheit der Weltbevölkerung ausmachen, erreicht werden.
Stefan Merten: Keynote: GPL-Gesellschaft - Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft   (Vortrag 28.4. 15:00 Raum B)
Abstract:
Die GPL-Gesellschaft ist eine Gesellschaftsformation, die auf den Prinzipien der Entwicklung Freier Software beruht. Freie Software wird dabei als Keimform verstanden, die in der Arbeitsgesellschaft herangereift ist, gleichzeitig aber auf ein vollkommen neues Modell von Vergesellschaftung verweist. Soll die GPL-Gesellschaft Realität werden, so müssen sich Ansätze dafür schon in der Vergangenheit finden. Solchen Ansätzen wird einleitend kurz nachgespürt. Breiteren Raum wird eine Betrachtung einiger gegenwärtiger Phänomene einnehmen, die in Richtung einer GPL-Gesellschaft weisen. Darunter sind einige Versuche, die Prinzipien der Entwicklung Freier Software auf andere Produkte und Lebensbereiche zu übertragen. Auch das Projekt Oekonux, das solche Ideen diskutiert, wird in diesem Zusammenhang kurz vorgestellt werden. Ausführlich dargestellt werden Elemente einer gesellschaftlichen Vision, die die aktuellen Entwicklungen aufnimmt und in eine GPL-Gesellschaft fortschreibt. Darunter fällt die Produktion materieller Freier Güter ebenso wie die Maintenance des Ozonlochs durch Weiterentwicklungen der heutigen NGOs. Ist danach eine Gesellschaft jenseits der auf Tausch beruhenden Arbeitsgesellschaften besser vorstellbar, so hat der Beitrag seinen Zweck erfüllt.
Thomas Uwe Grüttmüller: Der Übergang in die GPL-Wirtschaft   (Vortrag 28.4. 17:00 Raum B)
Abstract:
In meinem Vortrag "Der Übergang in die GPL-Wirtschaft" geht es darum, wie die Übertragung der Prinzipien Freier Software die Wirschaft verändern kann und wird.

Zunächst wird die heutige Situation beschrieben, die überwunden werden soll. Dabei geht es um geistiges Eigentum und andere Fehlentwicklungen. Die Blödsinnigkeit des Kapitalismus, z.B. bei der Vermarktung von Informationsgütern, wird dabei ausgeblendet. Dies wird bereits im Meilenstein- Vortrag ausführlich bearbeitet. Stattdessen wird darauf hingewiesen, wie geistiges Eigentum im Kapitalismus die materielle Produktion beeinträchtigt.

Die Prinzipien Freier Software sind in den Meilenstein- und Wertlos-Vorträgen, sowie im GNU-Manifest bereits hervorragend dargestellt. Da aber nicht von jedem Zuhörer erwartet werden kann, daß ihm diese Texte bekannt sind, müssen die Prinzipien noch einmal in Kurzform dargestellt werden.

Da das Hauptargument gegen Utopien, die auf freiwilliger, unbezahlter Arbeit mit gesellschaftlicher Relevanz aufbauen ist, daß dies angeblich niemand freiwillig täte, muß anhand einer ausführlichen Erläuterung aller verschiedenen Formen von Arbeit gezeigt werden, welche Formen von Arbeit überhaupt betroffen sein werden, und warum das Argument dort falsch ist.

Als nächstes soll die Übertragung auf materielle Produkte beschrieben werden. Wichtige Punkte sind erstens dabei die Unterscheidung in die materiell ausgeführte Seite auf der Ebene der Exemplare und der geistigen Seite der Planung und Konstruktion, sowie zweitens die Aufteilung von Projekten in global kommunizierende, völlig auf der geistigen Seite bleibende, sowie lokale, praktisch orientierte, analog zu LUGs.

Als nächstes werden die positiven Auswirkungen auf die kapitalistische Wirtschaft beschrieben.

Die negative Auswirkung des Fortschritts ist die Arbeitslosigkeit, da sie unter den heutigen Bedingungen sozialen Abstieg zur Folge hat. Die heutige Form der Unterstützung, die Sozialhilfe, ist weder zur Unterstützung bei Langzeitarbeitslosigkeit, noch zur Unterstützung unkommerzieller wissenschaftlicher Arbeit wirklich geeignet, für die im Moment nur private Sponsoren denkbar sind. Als Lösungsansatz für beides wird das Modell "Bürgergeld" vorgestellt.

Im letzten Punkt werden Überlegungen zu einer völligen Überwindung des Kapitalismus angestellt. Eine derartige Option muß frühzeitig durchdacht werden, wenn die kapitalistische Wirtschaft bei der Produktion materieller Güter in bestimmten Bereichen nicht in Qualität und Quantität nicht die Erwartungen erfüllt und die Aussicht besteht, es anders besser zu machen. Zwei Ansätze für eine Planwirtschaft stehen zur Verfügung und sollten gegeneinander abgewogen werden: zentrale Planung zum einen, sowie kleine, dezentrale, untereinander vernetzte, autonome Projekte.

Ein Vergleich zwischen unserer Theorie der GPL-Wirtschaft und der Theorie des Kommunismus muß leider entfallen, da ich von Marx bisher nur das Manifest gelesen habe. Eine Gleichsetzung durch die Presse würde den Kreis der Personen, die sich mit der GPL-Theorie zu befassen bereit sind, stark einschränken. Falls diese Frage der Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Theorien in der Diskussion aufkommen sollte, kann sie also nicht ausreichend beantwortet werden.

Übersicht in Stichpunkten: http://www.oekonux.de/liste/archive/msg01604.html

Auszug aus dem Paper: http://www.oekonux.de/projekt/liste/archive/msg00336.html
Holger Blasum: Linksliberale Utopie zum gewerblichen Rechtsschutz   (Vortrag 29.4. 12:00 Raum A)
Abstract:
An dem breiten Widerstand gegen Patentierbarkeit von Software in Europa, der Unzufriedenheit ueber den DMCA und dem Aufkommen von "defensiven" Lizenzen wie der GPL zeigt sich, dass mit der technisch bedingten Leichterverbreitbarkeit von Informationen einige der bestehenden Leitbilder zum gewerblichen Rechtsschutz unter zunehmenden Druck geraten.

Am Beispiel des Patentwesens soll gezeigt werden, wie gesellschaftlich und oekonomisch umstritten einige Phasen seiner Einfuehrung und Erweiterung waren und sind. Auch fuer das Copyright gilt, dass der Druck in Richtung Ausweitung bisher staerker war als in Richtung Verengung.

Als Gegenmodell wird ein Szenario diskutiert, in dem -moeglicherweise nur fuer den Softwarebereich- Patent- und Urheberrecht sehr stark eingeschraenkt sind, und der Schutz der Geltung von Firmen oder Organisationen von einem globalen Markenrecht getragen wird. Anregungen lassen sich z.B. aus Erfahrungen zur Vergabe von Domaenennamen finden.

Es wird betont, dass es sich dabei nicht um ein Allheilmittel handelt, sondern eher um eine Modernisierung des bestehenden Handlungsrahmens, der weiterhin durch Steuerung z.B. in der Kartell- und Steuerpolitik ausgestaltet werden muss.
Stefan Meretz: Wem gehört das Wissen? Von der Freien Software zur Freien Gesellschaft   (Vortrag 30.4. 10:00 Raum C)
Abstract:
Ich möchte den Versuch unternehmen, die Freie Software in die "Geschichte des Wissens" einzuordnen. Ich frage also nach der Bedeutung und Funktion des Wissens bei der Entwicklung der Produktivkräfte. Ich will zeigen, dass die Akkumulation von Wissen heute erfolgreich nicht mehr "wertförmig" - also vermittelt über Geld und Markt - laufen kann. Denn Verwertung, Geld und Markt bedeuten notwendig Ausschluss anderer von der Produktion und Verfügung über das Wissen. Die bekannten Mittel dazu sind Copyrights, Lizenzen, Gesetze, Patente etc.

Jede Einschränkung der heute nur noch global denkbaren Schaffung und Verdichtung von Wissen bedeutet einen Schuß ins eigene Knie: Aus Verwertungsgründen werden diejenigen ausgeschlossen, die das Wissen erst schaffen. Dieser Widerspruch ist nur auflösbar, wenn jeder Ausschluss abgeschafft wird.

Genau damit hat die Freie Software angefangen: Copyleft ist die subversive Form, auf Basis des Copyrights die Menge der Ausgeschlossenen gegen Null gehen zu lassen. Damit wurde ein globales Akkumulationsmodell des Wissen geschaffen, das effektiver und nachhaltiger ist als jedes Modell, das auf Ausschluss beruht.

Die Freie Softwarebewegung fordert also nicht nur Microsoft heraus (auch wenn sie davon nicht spricht...), sondern sie fordert die waren- (=wert-) -förmige Produktion überhaupt heraus (wovon sie erst recht nichts hören willl...) und stellt sie praktisch als obsolet in Frage. In diesem Sinne bedeutet jeder noch so kleine Einsatz Freier Software ein Stück "Entwertung" - und das ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung: Einer Freien Gesellschaft, die einen ökonomischen Wert als Vermittlungsmedium einfach nicht mehr braucht.
Oekonux: Projekt Oekonux: Woher und wohin?   (Workshop 30.4. 12:00 Raum C)
Abstract:
Nach einer Einleitung und einer Festlegung des genauen Ablaufs wollen wir zunächst einen Rückblick auf das Projekt Oekonux machen. Dann werden in Kleingruppen verschiedene organisatorische Fragen diskutiert. Die Ergebnisse der Diskussion werden im Plenum vorgertragen. Eine Auswertung der Konferenzvorbereitung und des Ablaufs schließt den Workshop ab.
Rubrik »Politik«
Helmut Dunkhase, Wolf Göhring, Norbert Trenkle: Produktivkraftentwicklung   (Workshop 28.4. 15:00 Raum C)
Abstract:
Helmut Dunkhase: Kommunismus = Sowjetmacht + Internet

Ab den 70er Jahren dämmerte Leuten in Ost und West, dass mit der informationelle Revolution etwas heraufzieht, was mehr ist als eine bloße Modernisierung. Sie leitet vielmehr einen Epochenumbruch ein, insofern sie die durch die Herrschaft des Kapitals geprägten Strukturen der Produktivkraftsysteme und Produktionsverhältnisse untergräbt und eine notwendige Voraussetzung für die Ablösung des Marktes zugunsten einer sich in selbstorganisierender Kooperation vollziehenden Gemeinwirtschaft erfüllt. In diesem Zusammenhang werden untersucht:
  • die spezifischen Eigenschaften des Computers, die diesen zum paradigmatischen Werkzeug des Kommunismus machen
  • die Rückkopplung als fundamentales Prinzip sowohl in der Geschichte des Computers selbst als auch in der heutigen und künftigen Wissensanordnung
  • die Bewältigung von Komplexität ohne Tausch(Markt)-Beziehungen
  • inwieweit etwa die Open Source Bewegung als Antizipation des Kommunismus zu begreifen ist.
Wolf Göhring: Die produktive Informationsgesellschaft. Oder: Wie kommt man zu den Brötchen?

"Heute abend mach' ick mir nischt zu essen, heute abend mach' ick mir Jedanken," sagte einmal der Kabarettist Wolfgang Neuss. Der Lacherfolg signalisierte, dass neben der "Software" des reinen und freien Denkens auch noch die "Hardware" des praktischen Lebens, naemlich Brötchen, Schuhe, Zahnpasta, Kühlschraenke, Baukräne, Bohrmaschinen, Gabelstapler, Fensterscheiben oder, ganz modern, foundries zum Backen von Silizium-Chips gefragt sind.

Wie kommt es zu diesen Dingen in Zeiten technischer Vernetzung, Information und Kommunikation? Wieso kriegt man das Zeug nicht "so", sondern wieso muss man den Kram kaufen, wenn man ihn haben will?

Gebrauchsgegenstände wie die genannten werden Waren, weil sie Produkte von einander unabhängig betriebener Arbeiten – MARX nennt sie Privatarbeiten (Das Kapital Bd.1) – sind, die getauscht werden müssen, um gebraucht werden zu können. Der Markt vermittelt diesen Tausch: Gegen das Abstraktum Geld wechseln die konkreten Produkte die Hände. Entscheidend ist das an den Tauschpunkten umgesetzte Geld, wo vor- und nachgelagerte stoffliche, dingliche und persönliche Zusammenhänge zumeist unbekannt sind, denen die Individuen mehr oder weniger hilflos und gleichgültig gegenüber stehen und die viel zu oft nur ein Achselzucken hervorrufen.

Ein Einzelner kann sich dem Tauschen nicht entziehen. Er kann, weil er tauschen muß, im wesentlichen nur noch für andere, d. h. für die Gesellschaft produzieren: die "gesellschaftliche Produktion" ist Fakt. Andererseits sind die Individuen dieser Produktion weitgehend "ausgeliefert": Man kann nur kaufen, was geboten wird; man muß resultierende Umweltprobleme erdulden, auch wenn man sie nicht bestellt hat; man ist den Turbulenzen der Märkte ausgesetzt. Die Individuen sind zwar der gesellschaftlichen Produktion untergeordnet, diese aber nicht den Individuen, um sie "als ihr gemeinsames Vermögen" handhaben zu können (MARX).

"Die zwei Faktoren der Ware: Gebrauchswert und Wert" (MARX) liefern einen Schlüssel zum Verständnis der ökonomischen, ökologischen und sozialen Probleme, die sich in einer warenproduzierenden Gesellschaft ergeben. Im Verfolg dieser Probleme produziert diese Gesellschaft Mittel, mit denen sie dieser Probleme Herr werden möchte. Es werden Produkte, Produktion und Konsum verändert und das Wissen für diese Veränderungen und Zusammenhänge produziert und unter anderem in Informationssystemen manifest. Mit der Informations- und Kommunikationstechnik (IuK-Technik) will man - haarscharf am Tausch der Produkte vorbei - die stofflichen, dinglichen und persönlichen Beziehungen, die den isoliert und unabhängig von einander betriebenen Arbeiten doch zugrunde liegen, sichtbar, verbindbar und gestaltbar machen.

Wenn man die Information im Web als die beste verfügbare Datenbank frei und wirkungsvoll nutzt und ebenso frei ergänzt, kann man alle Aspekte des Lebens bereden und die zum Leben nötige Arbeit organisieren - und machen. Die Arbeit spiegelt sich in Produkten und in Information, und umgekehrt spiegelt sich Information in Arbeit und in Produkten. Man versucht, sich die "gemeinschaftliche gesellschaftliche Produktivität" (MARX) unterzuordnenund erzeugt auf diese Art eine produktive Informationsgesellschaft: "Innerhalb der bürgerlichen, auf dem Tauschwert beruhenden Gesellschaft erzeugen sich sowohl Verkehrs- als auch Produktionsverhältnisse, die ebenso viel Minen sind, um sie zu sprengen. Andrerseits, wenn wir nicht in der Gesellschaft, wie sie ist, die materiellen Produktionsbedingungen und ihnen entsprechenden Verkehrsverhältnisse für eine klassenlose Gesellschaft verhüllt vorfänden, wären alle Sprengversuche Donquichoterie." (Marx-Engels-Werke MEW 42, S. 93)

Aber sobald die Informationsgrundlage "für eine klassenlose Gesellschaft" geschaffen ist und entsprechende Kommunikationsfähigkeiten - technisch wie persönlich - hergestellt sind, lassen sich alle Finanzprogramme dieser Welt löschen, ohne ins Mittelalter abzustürzen.

Weiteres auf meiner Homepage unter dem Stichwort "Kommunikation statt Markt".

Norbert Trenkle: Produktivkraft, kapitalistische Krise und gesellschaftliche Emanzipation

Der Geschichtsoptimismus des Aufklärungsdenkens und insbesondere des traditionellen Marxismus basierte wesentlich auf einer Verherrlichung des technisch-wissenschaftlichen Fortschritts. Zusammen mit der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte sollte nicht nur das materielle Elend sondern letztlich auch die Herrschaft des Menschen über den Menschen aus der Welt verschwinden. Der "historische Materialismus" konstruierte gar einen evolutionären Zusammenhang, wonach jedem bestimmten Niveau der Produktivkraftentwicklung eine bestimmte Stufe der gesellschaftlichen Entwicklung entsprechen sollte. Sozialismus und Kommunismus wurden als die zwangsläufigen Resultate und die Höhepunkte dieses "objektiven historischen Prozesses" betrachtet.

Diese Sicht auf die Geschichte als vorherbestimmtem Prozeß ist scharf zu kritisieren, denn sie reproduziert im Denken unreflektiert die blinde, objektivierte Selbstbewegung der modernen Warengesellschaft. Zwar hat der Kapitalismus sicherlich produktive Potenzen geschaffen worden, die allen Menschen ein gutes Leben ermöglichen könnten, doch drängt er aus seiner inneren Zwangsdynamik heraus keineswegs dazu, diese auch zu realisieren. Im Gegenteil. Erstens schließt er die überwiegende Mehrzahl der Menschen von den Quellen möglichen Reichtums aus und stürzt sie in ungeheures Elend. Zweitens nimmt die von der Verwertungslogik vorangepeitschte Produktivkraft eine geradezu gemeingefährliche und destruktive Gestalt an, die sogar die menschlichen Lebensgrundlagen als solche bedroht. Diese beiden Tendenzen verschärfen sich noch in dem Maße der Kapitalismus in einen fundamentalen, finalen Krisenprozeß gerät, der seinerseits ein Ergebnis der gewaltigen Produktivkraftsteigerung ist. Indem diese nämlich immer mehr Arbeit überflüssig macht, untergräbt sie die Grundlage und Funktionsbasis der Verwertung: die Vernutzung lebendiger Arbeitskraft in der Warenproduktion. Diese Entwicklung führt aber von sich aus keinesfalls zu einer emanzipatorischen Aufhebung des Kapitalismus, sondern nur in eine Abwärtsspirale globaler Destruktion und gewaltsamen gesellschaftlichen Zerfalls.

Aus emanzipatorischer Perspektive kann das Verhältnis zur kapitalistischen Produktivkraft daher nur ein negatorisches sein. Negatorisch meint hier nicht, die technisch-wissenschaftliche Entwicklung pauschal abzulehnen, sondern ihr gegenüber einen Standpunk radikaler Kritik einzunehmen. Nur durch eine solche Kritik können die positiven Potenzen der Produktivkraft sichtbar gemacht und nur gegen die Schwerkraft der kapitalistischen Gesellschaft und ihrer Krise können sie praktisch entwickelt werden. Ein unmittelbar positives Anknüpfen am Gegebenen kann es nicht geben auch wenn nicht alles Gegebene einfach zu verwerfen ist.
Ralf Krämer, Sabine Nuss, Michael Heinrich, Hans-Gert Gräbe: Informationsgesellschaft   (Workshop 29.4. 18:00 Raum C)
Abstract:
Ralf Krämer: Zur Politischen Ökonomie des Informationskapitalismus

Ich möchte einleitend einige Thesen vorgetragen und erläutern und erhoffe mir daran anschließend eine kontroverse und konstruktive Diskussion zu folgenden Themenbereichen:
  • der produktive, wert- und mehrwertschöpfende Charakter der Informationsarbeit
  • "Human Capital" und "Shareholder Value" im Informationskapitalismus
  • die Aneignung von Informationsrenten als Spezifikum des Informationskapitalismus
  • Entwicklungskosten und immaterielle Investitionen und ihre Wirkungen auf die Profitraten
  • Krisenhaftigkeit und historische Tendenzen des Informationskapitalismus
  • Klassen, Interessen und Linke im Informationskapitalismus
Sabine Nuss, Michael Heinrich: Warum Free Software dem Kapitalismus nicht viel anhaben kann - aber vielleicht trotzdem etwas mit Kommunismus zu tun hat

Eigentlich ist das Internet nichts als ein Medium: Träger und Übermittler von Information. Dennoch ist seine rasante Entwicklung und Verbreitung seit einigen Jahren begleitet von diversen Zuschreibungen aus allerlei politischer, soziologischer und ökonomischer Richtung. Den einen wird alles, was sich wirtschaftlich um das Internet herumrankt, also die "New Economy", zum Wachstumsmotor Nummer eins im neuen Jahrtausend, andere sehen in der Eigenart des Internets das Potential, den Kapitalismus zu überwinden. Insbesondere die Entwicklung der Freien Software, als Paradebeispiel Linux, wird als Anschauungsbeispiel dafür herangezogen, wie es in einer anderen Welt der Produktion, fern ab von kapitalistischen Verwertungszwängen, zugehen könnte. Was aber ist eigentlich kapitalistische Verwertung? Bevor man überhaupt sagen kann, was fern davon produziert wird, muss man eine Vorstellung davon haben, was darin produziert wird. Wann wird ein Produkt also Ware? Was sind die Bedingungen der Verwertung? Mit Hilfe Marxscher Kategorien wollen wir die Rolle, die freie Software im kapitalistischen Verwertungsprozeßjetzt schon hat und künftig vielleicht haben wird, untersuchen. Was manchen als größere Möglichkeit der Selbstverwirklichung erscheint wird sich dabei als intensivere Form der Ausbeutung erweisen.

Will man den Kapitalismus überwinden, dann ist auch darüber zu sprechen, um was es bei dieser Überwindung gehen soll: Lediglich um einen stärker regulierten Kapitalismus mit einem umfangreichen Sozialstaat oder um eine Gesellschaft jenseits von Tausch, Geld und institutionalisiertem Gewaltmonopol? Zielt man letzteres an - nennen wir es ruhig bei seinem traditionellen Namen: Kommunismus - dann wird es nicht ausreichen, dass lediglich einzelne Gebrauchswerte ihre gesellschaftliche Form verändern (also aus privateigentümlicher Software freie Software wird), dann kommt es darauf an, den gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang zu verändern, mit der Logik der Verwertung zu brechen, statt sie nur hier und da zu unterlaufen.

Gegen die Vorstellung einer kommunistischen Gesellschaft wird üblicherweise der Einwand erhoben, wie denn überhaupt die nötigen Koordinationsleistungen erbracht werden sollen, wenn Markt und politische Herrschaft als Steuerungsmedien entfallen. Hier mag vielleicht der kollektive Produktionsprozeß von Linux ein Hinweis darauf sein, dass es solche Möglichkeiten sehr wohl gibt, nur ist dies nicht zu verwechseln mit einer bereits im Kapitalismus existierenden Keimzelle einer kommunistischen Gesellschaft.

Hans-Gert Gräbe: Zur Zukunft der Arbeit in einer modernen Gesellschaft

'Oekonux' und 'New Economy' sind sich einig: Information und Wissen und damit die Kompetenz der Individuen werden in der Gesellschaft von morgen eine zentrale Rolle spielen. Damit hören die Gemeinsamkeiten allerdings schon auf. Die Konsequenzen der 'New Economy' bedeuten, auch Information, Wissen und Kompetenz marktgängig zu machen und damit in kapitalistische Verwertungszusammenhänge einzubinden. Dabei wird wenig Rücksicht genommen auf Traditionen im Umgang mit Wissen, das jahrtausendelang als freizügig zugängliches gesellschaftliches Gemeingut galt. Diese "Wissensallmende" (Grassmuck) soll in einem Aktursprünglicher Akkumulation parzelliert und damit Gemeineigentum an Wissen durch Privateigentum abgelöst werden, um in Zukunft nicht nur fremde Arbeit, sondern auch fremde Gedanken ausbeuten und die entsprechenden 'Informationsrenten' einstreichen zu können.

Ein solcher Versuch ignoriert den Umstand, dass (nicht triviale) Information Voraussetzung, nicht Gegenstand produktiver, also marktgängiger Arbeit ist und eigentlich zu einer Sphäre gehört, in die marktwirtschaftliche Austauschprozesse eingebettet sind. Mit dem zunehmenden Focus auf solche Kompetenz wird der kausale Rahmen der Waren produzierenden Gesellschaft verlassen, indem stattProduktion und Verkauf nunmehr die Bedingungen für Produktion und Verkauf, kurz, die Infrastruktur der materiellen Produktion, die "allgemeine Arbeit", ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken, eine Arbeitsform, deren Ergebnis alle nutzen, deren Verrichtung aber (aus marktwirtschaftlicher Logik heraus) keiner bezahlen will.

Parallel zur wachsenden Bedeutung dieser Bereiche wächst auch der Druck, sie vordergründig marktwirtschaftlich zu organisieren und damit einem kurzfristig denkenden Kalkül der lokalen Profitmaximierung zu unterwerfen. Die Unangemessenheit solcher Regulationsmechanismen für die globalen, erst in kooperativen Synergien zu Tage tretenden Effekte einer solchen Infrastruktur vertieft die "Tragödie der Allgemeingüter" (G. Hardin) und trocknet das Substrat derselben weiter aus. Die Ironie des Schicksals will es, dass Wissenschaft und Bildung - die zentralen Themen einer Kompetenzgesellschaft - davon besonders betroffen sind.

Literatur:

http://www.informatik.uni-leipzig.de/~graebe/projekte/infopapers/arbeit1.html
Brigitte Streicher: Veränderung ohne Bewegung? Vorstellung des mek software Dortmund   (Workshop 29.4. 19:00 Raum A)
Abstract:
Vorstellung des "mobilen einsatzkommando software" (mek software) Dortmund:
  • Welche Überlegungen haben es entstehen lassen?
  • Welche Themen greifen wir auf
  • Haben wir Ziele?
Raban Daniel Fuhrmann: New Politics Politische Techniken für das 21. Jahrhundert   (Vortrag 30.4. 10:00 Raum B)
Abstract:
Gedanken- und Handlungs-Impulse ausgehend von der Frage:
Wie können/müssen/sollen die politischen Verfahren und Strukturen aussehen, mit denen wir dem exponentiell sich verkomplizierenden Problembewältigungsdruck einer postmodernen, sich immer weiter ausdifferenzierenden und global vernetzenden Informationsgesellschaft nicht nur reaktiv begegnen sondern selber proaktiv gestaltend entgegentreten können?
Begründung: Politik ist mehr als das Beschließen und Durchsetzen von kollektiv verbindlichen Normen. Politik ist letztlich das Angehen von kollektiv verbindenden Problemen, also solchen Missständen, die wir alleine (als Person, Organisation, Nation ...) nicht lösen können, sondern wo wir uns mit anderen friedlich zusammentun müssen. Politik besteht somit in erster Linie aus bestimmten Techniken, aus Verfahren, Vorgehensweisen und den dazu passenden Strukturen und Institutionen. Doch ist die Art und Weise, wie wir dies zur Zeit versuchen, noch zeitgemäß? Sind die tools & skills mit denen wir immer komplexere Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse bewältigen wollen, noch dazu geeignet?
Besonders die digitale Revolution eröffnet ungeahnte Möglichkeiten aber auch Gefahren. Faszinierend ist besonders die umfassende Verwandtschaft von open-source-Philosophie und Bürgergesellschafts-Prinzipien. Die Zukunft wird jedenfalls in einer engen Symbiose von realen und virtuellen Techniken der interaktiven Partizipation bestehen, also einer Kooperation von freiheitlicher IT-Welt und innovativer Bürgerpolitik.
Florian Schneider: New Actonomy   (Vortrag 30.4. 12:00 Raum B)
Abstract:
Was tun, wenn sich sich das klassische Repertoire der Kampfmittel von Arbeiterbewegung und sozialen Bewegungen zusehends als untauglich erweisen? Streiks fanden in den Einschließungsmilieus der Fabrikhallen statt. Die Arbeiter verweigerten der disziplinierenden Gewalt den Gehorsam, und aus der Spontaneität der Aktionsformen resultierten die entsprechenden Organisationsformen.

Welche adäquaten Widerstandsformen aber können in den neuen Situationen von postfordistischer Produktion und Kontrollgesellschaft entwickelt werden?

Anzunehmen ist: Immaterialisierung der Arbeit und Globalisierung der Produktion in einem postmodernisierten Kapitalismus dürften gleichwohl eine Immaterialisierung und Globalisierung der Kampf- und Auseinandersetzungsformen mit sich bringen.

Netzaktivismus birgt ein ungeheures Potential von unterschiedlichsten Aktivitäten, die sich in den jeweiligen Kampagnen und Netzwerken treffen, einander ergänzen und potenzieren können. Verweist das spontane Zusammenkommen aller möglicher produktiver Praktiken gar auf utopische Organisationsformen, die "freie Assoziierung freier Individuuen"?
Rubrik »Software«
Peter Gerwinski / Georg C. F. Greve: Geschichte und Philosophie des GNU-Projekts   (Projekt 28.4. 13:00 Raum B)
Abstract:
Der Vortrag beschäftigt sich mit der Entstehungsgeschichte der Freien Software und deren Philosophie, wobei weniger Wert auf die technischen als vielmehr die gesellschaftlich-sozialen Aspekte gelegt wird. Schwerpunkt sind dabei die Free Software Foundation, das GNU-Projekt und dessen Lizenzen: die GNU General Public License (GPL) sowie die GNU Lesser General Public License (LGPL).
Martin 'Joey' Schulze: Wie Freie Software entsteht   (Vortrag 29.4. 10:00 Raum A)
Abstract:
Dieser Vortrag versucht einen Überblick über die Entwicklung von Freier Software anhand verschiedener Praxisbeispiele zu geben. Die Entwicklung von Freier Software unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Software-Entwicklung, so wie sie an Universitäten gelehrt wird.

Ein Großteil der Freien Software entsteht, weil einige Personen eine Vision haben (z.B. Debian, Gnome oder KDE), einige Personen ein neues Stück Software für den eigenen Bedarf benötigen oder bisher verwendete Software nicht ihren Anforderungen entsprechen. Der größte Teil Freier Software begründet sich auf persönlichen Bedürfnissen der Entwickler.

Der wichtigste Motor bei der Entwicklung Freier Software ist das Erreichen der selbst gesetzten Ziele. Wenn eine bestimmte Aufgabe gelöst werden soll, wird soviel Zeit investiert, bis diese Aufgabe gelöst ist. Wenn eine Vision verfolgt wird (wie z.B. ein Freies Betriebssystem zu schaffen oder einen coolen Desktop), dann wird an diesem Ziel entsprechend lange gearbeitet. Sehr wichtig bei der Entwicklung ist, daß die Teilnehmer Spaß haben und Aufmerksamkeit erhalten.

Wenn das Projekt nicht ausreichend Spaß für die Entwickler bietet oder ihre Arbeit nicht gewürdigt wird, verlieren sie leicht die Lust an der Arbeit. Der größte Unterschied zur klassischen Software-Entwicklung bei freien Projekten besteht darin, daß die Teilnehmer hauptsächlich in ihrer Freizeit am Projekt arbeiten und selbst entscheiden, wie lange sie arbeiten und an welchem Teil sie arbeiten. Infolgedessen kann ein Projektleiter normalerweise nur bedingt vorgeben, in welche Richtung das Projekt gehen wird und wer an welchen Stellen arbeiten wird.

Ein solches Projekt läßt sich daher nicht mit den gleichen Mitteln leiten wie bei klassischer Software-Entwicklung. Der Projektleiter muß sich auf die Mitglieder einlassen und mit ihnen arbeiten anstatt eine Linie vorzugeben. Ein Release kann erheblich schneller geschehen als geplant, oder auch erheblich später, wenn nicht an den Dingen gearbeitet wird, die für ein schnelles Relese nötig wären.

Während Deadlines bei klassischer Software-Entwicklung meistens nicht eingehalten werden, sind sie bei Freier Software auf lange Sicht vollkommen überflüssig. Da praktisch kein Druck auf die Mitglieder ausgeübt werden kann, ist es kaum möglich, genaue Daten vorauszusagen oder zu fordern.

Ein sehr großer Vorteil von Freier Software, weshalb sie die Prinzipien zum Vorteil von Sicherheit und sauberem Design bevorzugt werden sollten, liegt in der Offenheit des Quellcodes. Da der Quellcode des gesamten Systems verfügbar ist und andere Personen, insbesondere auch Externe, dadurch die Möglichkeit erhalten, ihn zu lesen und Probleme selbst zu beheben, wird der Quellcode von viel mehr Personen gelesen. Mögliche Probleme werden oft angemerkt, so daß der Code im Endeffekt sauberer und sicherer ist. Da er offenliegt, wird er zudem auch von anderen Projekten wiederverwendet, wenn er die geforderte Funktionalität bietet.

Beispiele:
  • KDE: Die Vision des Projekts liegt darin, für Linux und Unix-artige Systeme eine freie integrierte Desktop-Umgebung zu schaffen. Die Kern-Entwickler stehen hinter dem Projekt und treiben es voran. Sie treffen sich unregelmäßig und investieren vor einem Release sehr viel Zeit für Fehlerbereinigung.


  • Linux Kernel: Eine Person entscheidet, was letztendlich aufgenommen wird. Hunderte Entwickler arbeiten ihm zu und schreiben Software. Vieles wird aus Spaß entwickelt, viele Treiber für die eigene Hardware oder die eigene Umgebung geschrieben. Selbst aufgestellte Release-Daten werden teilweise bis zu einem Jahr überzogen.


  • Debian GNU: Das Debian-Projekt hat als Vision die Erstellung eines Freien Betriebssystems. Es bietet seinen Entwicklern einen Rahmen, in dem sie Software entwickeln und vertreiben können. Eine Handvoll Kernentwickler verfolgt dabei die Vision so sehr, daß sie neben ihrer sonstigen Arbeit die Rahmenbedingungen für das Projekt schaffen.


  • Sourceforge: Sourceforge (bzw. BerliOS in Deutschland) bietet nur die Infrastruktur für Freie Software. Daß das System dabei selbst wieder als Freie Software veröffentlicht wurde, ist zwar wichtig, aber im Prinzip nur Nebensache. Mit Hilfe dieses Frameworks konnte es erreicht werden, daß sich innerhalb von weniger als einem Jahr 10.000 freie Projekte und über 90.000 Entwickler im System angemeldet haben.
    Das Framework bietet Möglichkeiten zur Kommunikation, zur Verwaltung des Quellcodes und der Visualisierung des Projekts. Die Entwickler eines Projekts müssen sich somit nicht mehr um eine eigene Netzanbindung und die Administration dieser Dienste kümmern, sondern können sich die Umgebung dort bequem einrichten. Sie können sich voll und ganz auf die Entwicklung konzentrieren.
Andy Müller-Maguhn: Freie Netzentwicklung und das Netz der Begehrlichkeiten   (Vortrag 29.4. 12:00 Raum B)
Abstract:
Stichworte zum Beitrag
  • Entwicklung elektronischer Kommunikationsräume
  • Netze, Anwendungen, Anwender: das Internet als globaler Kulturraum und das Verhältniss zum sogenannten wirklichen Leben
  • Netzarchitektur und Netzpolitik: ICANN und andere historisch gewachsene Zustände
  • Das Netz der Begehrlichkeiten: von den Hütern geistigen Eigentums, den Wahrern des Markenrechts und anderen netten Menschen
  • Die Konzeption von vernetzten Paralleluniversen: zukunftskompatible Lösungsansätze
Rubrik »Special«
Oekonux: Begrüßung und Einführung Was ist »Oekonux«?   (Vortrag 28.4. 12:00 Raum B)
Abstract:
Einem kurzen Abriß der Geschichte des Oekonux-Projekts werden die wichtigsten inhaltlichen Argumentationslinien folgen, die im Projekt bislang entwickelt wurden. Es folgen einige Worte zur Stellung der Konferenz. Der Beitrag der Sponsoren wird gewürdigt werden. Organisatorische Hinweise schließen die Begrüßung ab.
LutzH: PGP-Key-Signing-Party   (Projekt 28.4. 17:00 Raum A)
Abstract:
In diesem Projekt soll eine PGP-Key-Signing-Party durchgeführt werden. Falls Du teilnehmen willst, melde dich bitte unter http://www.lutz-horn.de/keysigningpart.html an. Dort findest Du auch weitere Informationen zum Ablauf der Party.
Oekonux: Konferenz-Féte für alle! Ort: Cafeteria der FH.   (Frei 28.4. 19:00 Raum B)
Abstract:
Die Konferenz-Féte!
Rubrik »Übertragung«
Kim Veltman: Über die Verbindung von Open Source und Kultur (On the Links Between Open Source and Culture)   (Vortrag 28.4. 13:00 Raum A)
Abstract:
On the Links Between Open Source and Culture1

The Internet has at least five consequences: 1) technological (invisibility); 2) material (virtuality); 3) organizational (systemicity); 4) intellectual (contextuality) and 5) philosophical (spirituality). Most discussions of the Internet focus on the first three consequences. This lecture focusses on the last two.

Major advances in civilization typically entail a change in medium, which increases greatly the scope of what can be shared. Havelock2 noted that the shift from oral to written culture entailed a dramatic increase in the amount of knowledge shared and led to a re-organization of knowledge. McLuhan3 and Giesecke4 explored what happened when Gutenberg introduced print culture in Europe. The development of printing went hand in hand with the rise of early modern science. In the sixteenth century, the rise of vernacular printing helped spread new knowledge. From the mid-seventeenth century onwards this again increased as learned correspondance became the basis for a new category of learned journals (Journal des savants, Journal of the Royal Society, Göttinger Gelehrten Anzeiger etc.), whence expressions such as the "world of letters."

The advent of Internet marks a radical increase in this trend towards sharing. Conservative estimates claim that there are over 7 million new pages per day with over 2.1 billion pages in all. Some claim that there are over 550 billion pages on the Internet. The Internet began as a new method for sharing in the sciences, particularly physics and astronomy and is now becoming essential for advances in the life sciences and especially in emerging fields such as the human genome project and biotechnology.

While many focus on the financial side of Internet some of its most amazing consequences have been in fields where no financial gain is entailed. Particularly interesting is a project called the Search for Extraterrestrial Intelligence (SETI). In this project volunteers make available the time that their computer usually has a screen saver and this time is used to process data and possible information concerning outer space. On July 30, 2000, for instance there were 2096 new volunteers and a total of 2,192,077 persons made their computer available for the SETI project. It is striking that this produced a combined power of 11.17 trillion operations/ second (or teraflops/second). The largest supercomputer in the world at the time, ASCI White produced 12.3 teraflops per second. Hence, the amount of computational power produced by volunteers without extra cost is close to that produced by a machine, which costs over $100 million.

This leads to some interesting insights. If 1 million volunteers produce 5.5 teraflops, then if all 407 million computers which existed at the end of 2000 were used on a voluntary basis then there would be 2,238.5 teraflops available, which is 34.7 times more than the combined computational power of the top 500 supercomputers in July of 2000. This relates only to computers being used when their screen savers are functioning during their time-off. The ASCI White computer has a power of 30,000 PCs. This means that the world's 407 million PCs at the end of 2,000 were theoretically 13,566 more powerful than ASCI white capable of a total of 167, 861.8 trillion or 167.8 quadrillion operations/second. If current predictions hold and there are 2.4 billion PCs by 2006, this potential computational power would increase to 847.8 quadrillion operations and if one follows other predictions, which claim that the power of computers will increase by a million times within 20 years, then one would have a figure of 847,882,000,000. This makes the 64.3 teraflops of the top 500 computers in mid-2000 look rather weak or rather, it confirms that the real revolution is still to come.

Linux has had an enormous impact on the world of software. There are now an estimated 250,000 persons active in the open source movement, with 37% in Europe. When printing began in Germany, it was largely out of a conviction that this was for the public good. Interestingly enough Germany is also the most active contributor to Open Source.

At one level, the term spiritual has to do with the non-material. The spiritual also entails doing something beyond oneself. In this sense, the spiritual entails everything that fosters sharing. Hence, the Internet as a new source of sharing, is fundamentally about spirituality. To be sure there are movements in America which would have us believe that the Internet has enormous implications for the time we are at work from 9-5 and that the Internet is inherently and mainly about money making materialism. This view overlooks that there are 24 hours in our day and that it can hardly be true that life is about work only. Money-making may be important but if there is no time to spend it then 'tis a rather boring exercise.

In this context, thinkers such as Eric Raymond distinguish between the Cathedral and the Bazaar5. He rightly argues that there is a distinction to be made between exchange culture and gift culture. In his view cathedrals were top down, elitist, organizations. In fact, they were typically constructed through a co-operation of a majority of persons in towns and cities. Hence, while Raymond's distinctions are right, the terms of opposition need to be reversed: ultimately the gift culture of cathedrals needs to be opposed to the exchange culture of bazaars and not conversely.

On the surface, culture may seem far removed from all this, although most would agree that cathedrals such as Chartres or Cologne, produced by sharing are also part of our shared culture. On reflection, however, culture too is essentially about sharing: the paintings, sculptures, theatre, dance, music are effectively multi-media commentaries on the great religious (Bible, Shanahmah, Mahabharata, Ramayana etc.) and literary (Iliad, Odyssey, Tale of Gengi, Three Kingdoms) texts and as such are related to that which we share together.

Advances in culture occur when the expressions of things shared increase using visual, auditory or other senses as shown in the schematic list below (figure 1). Implicit in all this is that there are profound links between developments in culture and the rise of open source, that both are stimulating a new kind of sharing. Some would go further and claim that hackers in the virtuous sense are a new kind of lay monk. The lecture will explore these parallels between the sharing of culture and the sharing of open source and claim that there needs to be an open source approach to culture; that there are philosophical reasons why culture has traditionally been in the public sphere, and that the developments of open source can lead to new sources of spirituality in a larger sense.
  1. (Totem) Objects connecting with Actions of Gods
  2. Patterns (Ornament) connecting with Actions of Gods
  3. Idealized Actions of Gods
  4. Idealized Actions of Saints
  5. Idealized Actions of Heroes
  6. Universal Actions (Four Seasons, Seven Ages of Man)
  7. Everyday Actions (Work, Play, Dance, Eat, Drink, Read, Paint)
  8. Exotic Actions
  9. Idealized Dreams
  10. Dreams and Nightmares
Figure 1. Ten elements leading to an increased repertoire of shared cultural expressions.

1 Über die Verbindung von Open Source und Kultur. The lecture will be given in German.
2 Eric Havelock, Preface to Plato, Cambridge Mass: Belknap Press, Harvard University Press, 1963.
3 Marshall McLuhan, The Gutenberg Galaxy. The Making of Typographic Man, Toronto: Univeristy of toronto Press, 1962.
4 Michael Giesecke, Der Buchdruck in der frühen Neuzeit,. Eine histrosiche Fallstudie über die Durchsetzung neuer Informations- und Kommunicationstechnologien, Frankfurt: Suhrkamp, 1991.
5 Eric S. Raymond, The Cathedral & the Bazaar. Musings on Linux and Open Source by an Accidental Revolutionary, Cambridge Mass.: O'Reilly, 1999.
Jörg Bergstedt, Stefan Meretz, Annette Schlemm, Christoph Spehr, Heinz Weinhausen: Reibung erzeugt Wärme Von der Verknüpfung des Widerständigen mit dem Perspektivischen   (Workshop 29.4. 10:00 Raum C)
Abstract:
Perspektivendiskussion - in der Nische. Widerstandsaktionen - kurzfristige Erregungsknaller ohne erkennbare Ziele. Soweit die Lage .Veränderungen? Die Erfahrungen sind bisher schlecht. Oft geradezu diffamierend reden AktivistInnen aktionsorientierter Gruppen und DiskutantInnen in Theoriegruppen übereinander. Versuche der Verknüpfung enden meist fruchtlos, kleine Ansätze werden kaum wahrgenommen. Zu den meisten Anlässen (IWF/Weltbank in Prag, EU in Nizza, Castor, Anti-Naziaktivitäten usw.) bleibt jeglicher Versuch der Verknüpfung von Widerstand und Perspektive aus. Aber sie wäre wichtig: Widerstand schafft Erregungskorridore, in denen die Diskussion dann stattfinden kann. Widerstand ohne die Diskussion schafft nur Erregung ohne Inhalt und kontinuierliche Prozesse. Der Diskussion aber fehlt ohne Widerstand auch etwas Grundlegendes - nämlich die Chance breiter öffentlicher Wahrnehmung und die Durchsetzbarkeit ihrer Visionen. In der Freien Softwarebewegung entwickeln sich in der Praxis neue Formen produktiver Selbstorganisierung. Sie ist "frei", weil sie sich - anders als die bekannten alternativ-ökonomischen Projekte - von de rökonomischen Kapitalverwertung abgekoppelt hat (und dies durch die General Public License - GPL - absichert) und weil sie selbst eine freie Organisierungsform darstellt, wie sie in politischen Kreisen schon immer gesucht wurde. Sie ersetzt nicht andere politische Bewegungen. Sie trägt in sich auch Widerstand - beispielsweise gegen die Patentierung von Software.

Deshalb wollen wir die Gemeinsamkeiten und die Differenzen zwischen aktuellen politischen Bewegungen und Widerstandsgruppen sowie der Freien Softwarebewegung thematisieren und die Frage stellen: Was kann die Freie Software vom Widerstand lernen, was kann der Widerstand von der Freien Software lernen.

Wir können uns keine perfekten "Freie Kooperationen" ausdenken, aber wir können über die Voraussetzungen nachdenken, unter denen alle Beteiligten ihre eigenen Vereinbarungen und Regeln selbst verhandeln können. Der Workshop bietet keine Lösungen, sondern soll dem Denken darüber dienen, ob und welche Strategien der Verknüpfung von Theorie und Praxis, des Widerstands gegen das Alte und des Schaffens von prinzipiell Neuem, bestehen.

Literatur:
Gruppe Gegenbilder: "Freie Menschen in freien Vereinbarungen", besonders Kapitel: 2.3. und 4. (siehe http://www.opentheory.org/proj/gegenbilder)
Christoph Spehr: Die Aliens sind unter uns ! (siehe http://www.thur.de/philo/uvu57.html)
Franz Nahrada: Globale Dörfer und Freie Software Zum neuen Verhältnis von kooperativer Selbstversorgung und allgemeiner Arbeit   (Vortrag 29.4. 10:00 Raum B)
Abstract:
1. Subsistenz und Kooperation ? keine Gegensätze

Bemerkungen zu Vergesellschaftung und Autonomie in historischer Perspektive und im modernen Subjekt. Exkurs über Prosumerism
Die Kritik der modernen Subsistenzbewegung an Warengesellschaft und Technik. Exkurs zur Geschlechterspaltung.
Subsistenz als praktische Notwendigkeit und bewußte Perspektive: new work, ecovillages, intentional communities.

2. Telearbeit als Arbeit am Telos

Die Ablösung der Industrie durch Automation ? über die Implementierung der Teleologie
Die kulturelle Realität geistiger Arbeit
Über Effektivität und Nachhaltigkeit von Arbeit; Technologie als Einschränkung und Bedingung von Handlungsfreiheit
Über den wachsenden Gegensatz von Wirtschaft und Arbeit.
Der zunehmende Bedarf an Standards und Technologien der Kooperation
Das soziale Betriebssystem: "Theor-ethische" Grundlagen einer Kultur kooperativer Arbeit

3. "Wachstum ins Kleine" ? Wie die Informationsrevolution den Raum verändert

Miniaturisierung, Komplexität, Dauerhaftigkeit: Gesetze der Technologie
Biologie als Technologie: living Machines oder Permakultur?
Die Stadt als Pflanze: Arcosanti und andere Visionen
Das Dorf als gelebter Lebensentwurf: bolo’bolo und die Themensiedlungen
Mit der virtuellen Stadt reale Dörfer bauen: die Charta einer dualen Architektur

4. Ein Besuch in der globalen Dorfwerkstatt

Die Anatomie des Globalen Dorfs: Konzeption, Prozeß und Dissipation als räumliche Sphären.
Konzeption: Dorfuniversitäten, Mediatheken, Telezentren als globale Orte. Exkurs über das Kloster und seine Metamorphosen.
Prozeß: die telematische Werkstatt und die Helfer im Garten.
Dissipation oder das Gespräch mit den Bäumen.

5. Forums-wirtschaft oder: warum die GPL-Gesellschaft kein Kommunismus ist, sondern etwas viel Faszinierenderes

Die historischen (gemeinsamen) Wurzeln und Grenzen von Markt und Plan
Gesellschaftlich vereinbarte Entgesellschaftlichung
Technik der Ratsversammlung
Die globalen Schalen: gemeinsame Angelegenheiten auf verschiedenen Niveaus.
Villageware: Linux für die Dörfer
Wolf-Andreas Liebert: Demokratisierung wissenschaftlicher Information Öffentlichkeit durch die Massenmedien und das Lösungspotenzial des OpenSource-Modells   (Vortrag 29.4. 15:00 Raum A)
Abstract:
Es ist häufig die Rede von der so genannten ,,Wissensgesellschaft``. Dabei wird etwa gefordert, dass wissenschaftliches Wissen, insbesondere naturwissenschaftliches Wissen, an die Öffentlichkeit vermittelt werden müsse, damit die Öffentlichkeit in gesellschaftlichen Entscheidungssituationen, etwa bei der Durchsetzung von Ozongrenzwerten oder dem Verbot von Treibhausgasen, mitdiskutieren und entscheiden könne. Dies hat zur Voraussetzung, dass die Öffentlichkeit über die bestehenden Systeme der Wissenschaftsvermittlung überhaupt informiert werden kann. Diese Voraussetzung muss jedoch folgendermaßen hinterfragt werden: Welche Veränderungen erfährt naturwissenschaftliches Wissen, wenn es über die Medien an die Öffentlichkeit vermittelt wird? Wie unterscheiden sich Handlungsmuster und Gegenstandskonstitution in Fachtexten und in journalistischen Vermittlungstexten? Sind die Unterschiede so stark, dass noch davon gesprochen werden kann, dass von den gleichen Gegenständen die Rede ist? Entsteht durch die Vermittlung naturwissenschaftlichen Wissens durch die Massenmedien nicht einfach ,,eleganter Unsinn fürs Volk``?

Ausgehend von einem theoretisch gewonnenen Modell der Wissenschaftsvermittlung und der Analyse eines Korpus von mehr als 200 Fach- und Vermittlungstexten zum Thema ,,Ozonloch`` (darunter Bild der Wissenschaft (1986-1998) und die ZEIT (1985-1988)) kann folgendes Fazit gezogen werden: Es sind nicht nur einzelne Artikel, die bestimmte Abweichungen vom Vermittlungsmodell aufweisen, sondern die gesamte Berichterstattung in Bild der Wissenschaft und der ZEIT über Jahre hinweg (Liebert 2000). Dabei entstehen auch Gebilde, die man aus der Perspektive des Fachdiskurses als Nonsensmodelle beschreiben kann, die aber Teil der von den Medien vermittelten Wirklichkeit werden und bei dem Gewahrsein ihres illusionären Charakters zu Glaubwürdigkeitskrisen führen. Zwar ist der Rezipient der Wissenschaftsberichterstattung in den Medien relativ frei in seiner Aneignung, wenn jedoch wesentliche Inhalte unmerklich vereinfacht oder verfälscht werden, könnte eine Aneignung nur dann diese Defizite ausgleichen, wenn der Rezipient die Zeitung weglegt und damit beginnt, die Quellen zu studieren, d.h. einen eigenständigen Prozess der Wissensorganisation initiiert. Wo er dies nicht tut, ist er darauf angewiesen, mit seinem eigenen vorgängigen Sinnsystem das vereinfachte, verfälschte Wissen in sein bisheriges Wissensnetz einzupassen. Dabei käme eine ,,spontane Reparatur`` der vermittelten Defizite einem Wunder gleich; viel wahrscheinlicher ist, dass der (defizitäre) Input zu noch unbestimmterem Wissen oder Pseudo-Wissen führt. Diese Vermutung wird auch durch andere Untersuchungen gestützt, in denen gezeigt wurde, dass eine zweifache Verzerrung stattfand: Dem bereits defizitären Input durch die Medien folgte eine weitere Verzerrung durch die Rezipienten, die teilweise nicht mehr mit der verzerrten Vermittlung der Medien allein erklärbar war (Bell 1993). Zu bedenken ist hierbei, dass diese ,,Wissens``-Gebilde zwar auf fiktiven Realitätsdefinitionen beruhen, die Ergebnisse der Handlungen, die nach diesen Definitionen ausgerichtet werden, aber real sind.

Es muss deshalb die Frage gestellt werden, ob die Wissenschaftsvermittlung in den Massenmedien scheitern muss und welche Konsequenzen eine solche Annahme hätte.

Aus Analysen von Selbstaussagen und Positionspapieren von Wissenschaftsjournalisten wird eine Art systembedingter Mechanismus deutlich, der zeigt, dass Journalisten gar nicht anders können, als in der dargestellten Art Wissenschaft zu vereinfachen. Stellt man die Aussagen von Wissenschaftsjournalisten über die Veränderungen des gegenwärtigen Mediensystems in Rechnung, so ist dieses gekennzeichnet durch eine zunehmende ökonomische Abhängigkeit von privatwirtschaftlichen Einnahmen und dem damit verbundenen Druck durch Einschalt- oder Abdruckquoten. Dies hat auch in der Wissenschaftsvermittlung zur Folge, dass das Sensationelle, Abnorme oder Skurrile immer stärker in den Vordergrund rückt auch in seriösen Medien und Nachrichtenagenturen. Dadurch werden die strukturellen Unzulänglichkeiten des Mediensystems in eine Richtung verstärkt, die die diagnostizierten Mechanismen, die die Abweichungen hervorrufen, noch verstärken.

Wenn das gegenwärtige Mediensystem nicht in der Lage ist und auch nicht in der Lage sein wird, wissenschaftliches Wissen an die Öffentlichkeit zu vermitteln wie kann die Öffentlichkeit dann über gesellschaftlich relevante Forschungsrichtungen und ihre Ergebnisse informiert werden?

Meiner Ansicht nach kann dies nur die Wissenschaft selbst in direkter Kommunikation mit der Öffentlichkeit leisten. Dazu muss aber eine Vermittlungsform gefunden werden, die kontinuierlich Texte (oder multimediale Dokumente) auf die Fragen der Öffentlichkeit hin entstehen lässt, wobei die Texte von der Wissenschaft als sprachspielkonform sanktioniert wurden. Diese Vermittlungstexte müssten ständig und in kurzen Abständen aktualisiert und kritisiert werden. Eine weitere Voraussetzung besteht in einer vollkommenen Unabhängigkeit von finanziellen oder kommerziellen Vorgaben und Verwertungsinteressen. Hier bietet sich das OpenSource-Modell (vgl. etwa DiBona, Ockman, Stone 1999) an, das insbesondere mit den Prinzipien der Verwertungsfreiheit, der kollektiven Selbstorganisation und der globalen Vernetzung in fast idealer Weise die Voraussetzungen für eine demokratische Wissenschaftsvermittlung bietet.

Aufbauend auf diesen Prinzipien werden deshalb die Grundzüge des utopischen Projekts ,,Enzyklopädie der Wissenschaften`` skizziert, in dem beschrieben wird, wie eine neue Kommunikationsstruktur zwischen Wissenschaft und Gesellschaft aussehen könnte.

Literatur:

Allan Bell (1993): The Language of News Media. Oxford, Cambridge/Mass.: Blackwell.

Chris DiBona, Sam Ockman, Mark Stone (eds.) (1999): Open Sources. Voices from the Open Source Revolution. Beijing, Cambridge, Köln u.a.: O`Reilly
Christoph Heinemann, Christoph Schmidt: divercity feat. modell O´Brien   (Projekt 29.4. 17:00 Raum A)
Abstract:
divercity ist eine städtebauliche Strategie, die Stadt als offenes System versteht und ein Planungsinstrument vorstellt, das durch allgemeine Zugänglichkeit und ständige Aktualisierung der gegenwärtigen Produktion von Stadt entsprechen kann. divercity übertraegt bestimmte Voraussetzungen für Open Source Projekte auf die Stadtplanung, vom Umgang mit Copyrights, über die Möglichkeit von Testmodellen, bis zu Fragen der Verantwortlichkeit, Regulation ... modell O'Brien ist eine erste maßstäbliche Anwendung zu diesem Projekt. wir wuerden also gerne unser projekt divercity im rahmen der konferenz erlaeutern und die zusammenhaenge mit der spezifischen fragestellung nach einem moeglichen einfluss von open source auf die gesellschaft soweit wir das koennen ausloten. es ist ein bisschen wie ein blind date.
Robert Gehring: Sicherheit und Patentschutz - ein Widerspruch?   (Vortrag 29.4. 19:00 Raum B)
Abstract:
Der Vortrag bezieht sich auf das Gutachten "Sicherheit in der Informationstechnologie und Patentschutz für Software Produkte - Ein Widerspruch ? der Forschungsgruppe Internet Governance, Prof. Dr. iur. Lutterbeck u.a., Technische Universität Berlin.

In den vergangenen Monaten hat die öffentliche Erörterung über die Gewährung von Patentschutz für softwarebezogene Erfindungen an Gewicht gewonnen. Nachdem nunmehr die Diplomatische Konferenz zur Revision des Europäischen Patent Übereinkommens vom Ende November in München die ursprünglich vorgesehene Vertragsänderung - die einer ungehinderten Patentierung den Weg geebnet hätte - nicht vorgenommen hat, ist Zeit für eine vertiefte inhaltliche Erörterung in der Öffentlichkeit und auf EU-Ebene gewonnen worden.

BMWi hatte das Thema unter dem Gesichtspunkt "Sicherheit in der Informationsgesellschaft und Bedeutung der Software-Patente für die Open Source Software-Entwicklung" mit einem Workshop im Mai 2000 aufgegriffen. Das Gutachten ist erstellt worden, um hauptsächlich die makroökonomischen und wirtschaftspolitischen Aspekte verschiedener Optionen der Regulierung von Software-Patenten zu beleuchten. Es stellte sich insbesondere die Frage, ob die gegenwärtige Patentpolitik (unter Berücksichtigung der aktuellen Rechtsprechung), geeignet ist, den Besonderheiten der Informationsgesellschaft gerecht zu werden.

Das Gutachten kann die jetzt auf EU-Ebene beginnende Diskussion über pro und contra einer vollständigen/teilweisen Einbeziehung von softwarebasierten Innovationen in den Patentschutz dienen und die Analysebasis verbreitern.

Kurzfassung des Gutachtens zu Software-Patenten (74 KB)
Langfassung des Gutachtens zu Software-Patenten (678 KB)
Rubrik »Wissenschaft«
H. J. Krysmanski, Werner Winzerling, Ursula Holtgrewe: Open Source - und nun?   (Workshop 29.4. 15:00 Raum C)
Abstract:
H. J. Krysmanski: Cyber-Cooperatives. Zur Soziologie des Aus-, Ein-, Um- und Versteigens

Es gibt vielfältige Formen des Ausstiegs und unterschiedliche Stufender Renitenz und Resistenz unter den 'Kommunikationsfähigen'. Sie alle haben etwasmit Selbstorganisation zu tun, aber Selbstorganisation schützt nicht vor Naivität und Versteigen. Deshalb möchte ich zunächst beispielhaft auf Entwicklungen verweisen, die etwa aus den Leuten von The WELL Unternehmensberater (Global Business Network), aus Art Directors lutherische Protestler (The Cluetrain Manifesto), aus Künstlern effektive Konzernbekämpfer (Rtmark)oder aus einer kleinen newsgroup ein wirksames demokratisches Forum (slashdot.org)gemacht haben.

Einige nützliche Hintergrundmaterialien zu meinem Beitrag finden sich auf einer Website, die ich für einen Vortrag an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin gemacht habe ('Kreative Gemeinschaften im Cyberspace').

Der Begriff Genossenschaft impliziert vor allem und zuallererst Zeitsouveränität und eine offene Praxis. Oder anders gesagt:Genossenschaft impliziert Zeit-Haben als Grundstruktur von Subjektivität (Prauss, Heinrichs) und damit als Grundstruktur von Kollektivität. Doch seit der Arbeiterbewegung wissen wir außerdem, daß das Thema der Zeitsouveränität sich nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der Arbeitszeit stellt.

Die kybernetisch-algorithmischen Produktionsmittel verlangen - ob sie in der Arbeits-Zeit oder in der Frei-Zeit auftreten - auf jeden Fall die entwickelte, hochindividualisierte Arbeitskraft in kooperativer, gemeinschaftlicher, genossenschaftlicher Gestalt - nur eben: das eine Mal in der Microsoft-Variante, das andere Mal in der Linux-Variante...

Und bei der Linux-Variante übt das eine Bein des Arbeitskraftbesitzers schon einmal den Ausstieg, den Ausstieg aus der kapitalistischen Produktionssphäre und aus der postmodernen Simulationskultur. Dafür gibt es, jetzt schon, verschiedene Möglichkeiten:
  • die Stufe des individuellen Ausstiegs in die spontane Freizeit-Kollektivität (Jobben plus freie Kreativität)
  • die Stufe der alternativen systemischen Kooperation (open theory, open fun...)
  • die Stufe der Ankoppelung an nicht-monopolistische Wirtschaftsformen ('Pop-Wirtschaft', italienische Genossenschaften...)
  • die Stufe der Assoziation freier Produzenten zwecks Produktion freier Assoziationen (Wallerstein)
  • die Stufe der Assoziation freier kybernetischer Produzenten zwecks Produktion freier algorithmischer Assoziationen (Rtmark etc.)
  • usw.
Zugleich entsteht hier eine praktische Kontroverse. Ist der Ausstieg aus dem Verwertungsprozess Voraussetzung für die 'Befreiung' ode rist der Verwertungsprozess auf seiner jetzigen Stufe nicht selbst schon das Milieu für Assoziationsformen freier Produzenten? Man bedenke:
  • Produktionsmittel und Arbeitskräfte werden 'identisch'
  • Arbeitszeit und Freizeit werden 'identisch'
  • die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist bereits radikal abgesenkt
  • die herrschaftlich eingeforderte Dienstleistungszeit steigt drastisch an und provoziert Renitenz (The Cluetrain Manifesto?)
  • die verdinglichten Sozialbeziehungen werden durch die Simulationskultur hypertrophiert und provozieren Resistenz in der Simulationskultur selbst (The Matrix?)
In dem Augenblick, in dem die Arbeits-Zeit die Frei-Zeit fressen will, kann auch die Frei-Zeit ihr Maul aufsperren - und immer wieder einmal und immer öfter wird sich der Freßakt dann umkehren - als materielle Kritik, als materieller Widerstand und damit als nicht eingegrenzte Entwicklung und Entfaltung... Mein Eindruck ist, daß die beiden Alternativen so dicht aneinander gerückt sind, daß nur der Praxistest weiterführt...

In meinem Beitrag möchte ich aus soziologischer Sicht einige Varianten des Aus(usw.)-Steigens untersuchen. Dabei handelt es sich, so wie die Dinge jetzt stehen (das kann sich aber noch ändern), um folgende Punkte und Beispiele:
  • Anmerkungen zum Mönchswesen (das mönchische Prinzip wurde zu einem ungeheuren ökonomischen Erfolg als Raubritter, i.e. die Templer, es - im Rahmen der Kreuzzüge - ergriffen...)
  • mit Aplomb Aussteigen, um weiter oben wieder einzusteigen? Zur 'California ideology', dem digitalen Adel und den Verlockungen des Reichtums (vgl. Global Business Network)
  • Macht und Herrschaft im Virtualisierungsprozess (z.B. Tim Luke's Online Papers)
  • ethnographische Studien zum Leben und Arbeiten in Silicon-Valley (z.B. The Silicon Valley Cultures Project)
  • die virtuelle Gemeinschaft slashdot.org, die im Mittelpunkt des neuen Buchs von Steven Johnson ('Emergence') steht
  • usw.
Ursula Holtgrewe: Open Source - soziale Bewegung, professionelle Community oder ausgesourcte Technikentwicklung?

Es geht um die Frage, wie weit und unter welchen Bedingungen Open-Source einerseits als Arbeits- und Kooperationsweise in der Tat Alternativen zur kapitalistischen Produktion und ihren Institutionen darstellt und entwickelt waehrend aber die Projekte sich in einer kapitalistischen Umwelt zu positionieren und (auch) deren Erwartungen zu erfuellen haben. Meine These ist, dasss es hier kein Entweder/oder gibt, weil einerseits der Erfolg der Projekte auch die sozialen Innovationen darum herum (Copyleft, geistiges Eigentum, Kooperation) gesellschaftlich auf die Tagesordnung gesetzt hat, andererseits spaetestens am Punkt der Verbreitung ueber die EntwicklerInnencommunities hinaus (Linux) oder am Punkt der Hardware Kooperationen mit Unternehmen notwendig sind und Open-Source zum Bestandteil von deren Strategien wird.

Werner Winzerling: LINUX - Durchbruch für die Open Source Entwicklung?

Ich untersuche hier die Frage, was LINUX für die Computerindustrie (IBM, SAP, INTEL ...) so interessant macht. Dabei komme ich aber zu Schlussfolgerungen, die die allgemeine Auffassung
"LINUX: Der Durchbruch für Open Source Entwicklungen !"
nicht stützen kann.
(Ganz abgesehen davon relativieren sich bei genauerer Betrachtung auch die oft zitierten technischen Vorteile von LINUX.)
Es stellt sich also die Frage, wofür die Computerindustrie LINUX wirklich braucht. Auch darauf will ich in meinem Vortrag eingehen.